Druck abbauen

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Sarha90
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Registriert: Mo 6. Apr 2020, 19:36

Druck abbauen

Beitrag: # 25153Beitrag Sarha90 »

Hallo,
bin eben beim "surfen" auf einen Alten Eintrag aus dem Jahr 2014 zum Thema Druck abbauen.

Ich habe folgendes Probelm/ Unverständnis zu mir und meinem BIID. Meine "Aktionen" dienen dazu meinen inneren (leider sexuellen) Druck zum pretenden abzubauen. Behindert zu sein erregt mich. Bei mir ist es folgendermaßen: Ich bewege mich ohne Hilfsmittel, Einschränkungen etc. in meinem Leben. Mit der Zeit steigt ein Bedürfnis in mir auf, an Krücken zu gehen, orthopädische Schuhe etc. zu tragen. Diesen Druck kompensiere Ich dann, indem ich masturbiere. Anschließend ist das Bedürfnis nach Krücken und Schuh weg.

Nach einiger Zeit (1-2 Tage) kommt das Bedürfnis erst schwach wieder und wird dann immer stärker, bis ich fast darunter leide, falls ich es so nennen kann. Dann masturbiere ich erneut und der Druck/das Bedürfnis geht weg. Ab irgendeinem Punkt ist eine Kompensation nur noch durch pretenden also das Nutzen von Hilfsmitteln möglich. Habe ich 1-3 Wochen pretendet (es schwankt tatsächlich sehr) ist der Druck völlig weg und ich lebe wieder wie vorher. Dieser Prozess findet wieder und wieder statt.

Es hat sich aber ein Problem entwickelt: Der Druck und das Verlangen setigen mittlerweile immer schneller. Es hat früher gereicht, alle 12-14 Monate zu pretenden. Mittlerweile bin ich bei Abständen von 2 Monaten was zu extremen Misstrauen führt. Ich verstehe meine Gedanken und Gefühle nicht. Kann mir jmd vielleich etwas Licht und Dunkel bringen.

Hier noch die Anmerkung, dass ich nicht dauerhaft behindert sein möchte (für Leute, die das wollen habe ich vollstes Verständnis und ihr seid für mich so normal, wie alle anderen auch). Ich liebe Sport, speziell Joggen. Habt ihr Tipps, wie ich längere Zeit durchhalte. Ich möchte mein pretenden beibehalten, weil es sehr schön ist. Aber die Abstände sollen eine gewisse Ordnung bekommen.

Kann mich jmd verstehen und etwas Rat geben?

Viele Grüße und bleibt alle gesund!
croquette
Beiträge: 3
Registriert: Do 13. Feb 2020, 12:45
Wohnort: Basel

Re: Druck abbauen

Beitrag: # 25163Beitrag croquette »

Hallo Sarha90

Was du über zunehmend häufigeres Verlangen nach Pretenden schreibst, kennen, glaube ich, viele von uns. Mir ist die sich steigernde Dringlichkeit verbunden mit dem Wunsch nach einer Art Planung von unspektakulärem "Normalbetrieb" bekannt. Ist es das, was du ansprichst?
Masturbieren anstatt dem Pretending-Druck nachgeben ist das, was du in bestimmten Momenten tust. Warum möchtest du das Pretenden vermeiden? Das frage ich mich.
Ob ich Licht ins Dunkel bringen kann? Vielleicht. Ich kann dir nur meine Erfahrungen schildern - ich bin über 60 Jahre alt (jung?), was auch immer das heissen oder nicht heissen mag :-) . Die ruhigen Phasen sind bei mir kürzer geworden. Dabei begleitete mich immer mehr oder weniger die Angst, wohin das alles noch führen könnte - zur Amputation? ... Angst vor der Amputation, die ich mir ja eigentlich wünschte und immer noch wünsche. Wie steht es um meine sozialen Kontakte? Gerate ich auf die schiefe Bahn? Bedenken noch und noch. Geht es dir irgendwie ähnlich mit der Angst? Auch ohne Amputationswunsch.
Mit ca. 25 Jahren führte ich eine Zeitlang Buch darüber, wann, wie und wo ich ampte (ich brauche das Wort "ampen" auch gern anstatt pretenden), in welcher Kleidung - ich bin trans, genauer gesagt irgenwie beides, Mann und Frau - usw. Mit der Buchführung wollte ich ein quasi statistisches Muster finden, welches mir erlaubt hätte, das nächste "Ereignis" zu prognostizieren und mich adäquat darauf einzustellen. Oder mindestens etwas System ins Auftauchen der heissen, intensiven Phasen zu bringen. Das Resultat: null Muster, eine Prognose oder Organisation des Pretendens war nicht planbar. Aus zeitlicher Distanz lache ich heute ein bisschen über meine damaligen Bemühungen Ordnung ins Ganze zu bringen. Damals hatte ich allerdings nichts zu lachen. Ich kämpfte mit den Bedürfnissen - oder besser g e g e n die Bedürfnisse, die mein Körper so kompromisslos forderte und für die es scheinbar keinen Platz in dieser Welt gab.

Unglaublich viel Druck nahm mir ein erster Kontakt mit einem Leidensgefährten vor etwa dreissig Jahren weg. Schon dieser Kontakt kostete mich allen Mut. Und dass ich mein Amp-Bedürfnis meiner Partnerin (auch der früheren) mehr oder weniger vom Anfang der Beziehung an mitteilen konnte, erfüllt mich mit grosser Zufriedenheit. Das ist für mich der wesentlichste Pfeiler der Druckwegnahme. Nur nicht mit der Tür ins Haus fallen ... , sagte ich mir, aber die Tür wird geöffnet, früher oder später.

Viel Glück beim Pfad finden
und bleib auch gesund! Ciao




Was ist daran so besonders ausser dem Ungewohnten?
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